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Der Bachelor als Studienabschluss – Pro & Contra

bachelor-studium-pro-contraIm Rahmen des sogenannten Bologna-Prozesses und der damit verbundenen Reformen des europäischen Hochschulwesens wurden auch in Deutschland die Studienabschlüsse „Bachelor“ und „Master“ anstelle der früheren Diplom- und Magisterabschlüsse eingeführt. Inzwischen belegen etwa 60 Prozent aller Studierenden an deutschen Universitäten und Hochschulen entweder einen Bachelor- oder einen Masterstudiengang, bei den Studienanfängern liegt deren Anteil sogar bereits bei rund 75 Prozent.

Schneller zum ersten Abschluss
Das Ziel des 1999 eingeleiteten Bologna-Prozesses bestand darin, die Studienstrukturen in den verschiedenen Ländern innerhalb Europas aneinander anzugleichen und einen einheitlichen europäischen Hochschulraum mit länderübergreifenden Qualitätsstandards und besser vergleichbaren Abschlüssen zu schaffen. Damit sollte für mehr Transparenz gesorgt und eine größere Mobilität von Studierenden und Berufsanfängern ermöglicht werden.

Eine der wichtigsten Veränderungen ist, dass der Bachelor offiziell einen ersten berufsqualifizierenden Studienabschluss darstellt, der in der Regel aber bereits nach einem deutlich kürzeren Studium erreicht wird als dies bei den herkömmlichen deutschen Magister- oder Diplomabschlüssen der Fall war. Üblicherweise dauert ein Bachelor-Studiengang sechs, in selteneren Fällen auch sieben oder acht Semester. Im Laufe dieser Zeit sind von den Studierenden 180 Credit Points zu erwerben; teilweise werden auch 210 oder 240 Credit Points gefordert. Je nach Fakultät und Fachgebiet wird nach erfolgreichem Studienabschluss in geistes- oder naturwissenschaftlichen Fächern der akademische Grad eines Bachelor of Arts (B. A.) beziehungsweise eines Bachelor of Science (B. Sc.) vergeben, in ingenieurwissenschaftlichen Fächern dagegen der Bachelor of Engineering (B. Eng.). Juristische Bachelorstudiengänge schließen mit dem Bachelor of Laws (LL.B.) ab.

Vor- und Nachteile des Bachelor-Studiums
Die Einführung des zweistufigen Studiensystems in Deutschland trifft nach wie vor auf teils positive, teils aber auch kritische Resonanz. Zu den Vorteilen des neuen Systems zählt zweifellos, dass der erste Studienabschluss wesentlich früher erreicht wird als zuvor. Wer ein anschließendes Masterstudium nicht erfolgreich abschließt, kann also dennoch einen akademischen Abschluss vorweisen. Nach dem Bestehen der Zwischenprüfung oder des Vordiploms in Magister- oder Diplomstudiengängen war dies dagegen nicht der Fall, sodass der Betreffende beim Abbruch eines solchen Studienganges in der Endphase auch nach mehrjährigem Studium keinerlei anerkannten Hochschulabschluss erlangt hatte.

Als weitere Vorteile des neuen Systems werden das Aufbrechen verkrusteter Strukturen an den Hochschulen, die kritische Revision und gegebenenfalls auch die „Entrümpelung“ von Studienplänen und -inhalten sowie das Entstehen neuer und praxisorientierterer Studiengänge genannt. Klarere Strukturen im Studium und flexiblere Möglichkeiten der Karriereplanung werden meist ebenso positiv beurteilt wie die größere Mobilität während des Studiums. Kritisch wird dagegen oft angemerkt, dass die Bachelorstudiengänge im Vergleich zu Magister- oder Diplomstudien stärker verschult und zum Teil auch inhaltlich überfrachtet seien. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass ähnliche Studiengänge an verschiedenen Hochschulen sich zum Teil hinsichtlich der Inhalte oder der Studiendauer so stark unterscheiden, dass ein Wechsel nicht so problemlos möglich ist, wie dies mit der Reform eigentlich beabsichtigt war.

Wachsende Akzeptanz für den Bachelor und flexiblere Karrierewege
Ein weiteres Problem stellte zunächst die Akzeptanz von Bachelor-Abschlüssen bei potenziellen Arbeitgebern in Deutschland dar. Hier zeichnet sich jedoch inzwischen ab, dass immer mehr Unternehmen die Absolventen von Bachelor-Studiengängen durchaus schätzen, nicht zuletzt wegen der meist relativ kurzen Studiendauer und der zum Teil deutlicher ausgeprägten Praxisorientierung. Immer häufiger wird der Bachelor auch explizit in Stellenausschreibungen genannt. Gleichwohl dürfte von Bewerbern um Führungspositionen sowie bei fachlich besonders anspruchsvollen Tätigkeiten auch weiterhin ein höherer Studienabschluss wie der Master verlangt werden.

Ein unbestreitbarer Vorteil des neuen Systems ist aber sicherlich, dass Studierende mit dem Bachelor Abschluss schneller Zugang zum Berufsleben bekommen und sich zugleich auch Möglichkeiten einer späteren Neuorientierung offenhalten können. Denn ebenso wie im Rahmen eines Masterstudiums die Inhalte des Bachelor-Faches vertieft werden können, lassen sich durch die Wahl eines entsprechenden Studienganges auch neue Kenntnisse und Qualifikationen in anderen Bereichen erwerben. Eine ganze Reihe von Hochschulen bietet auch berufsbegleitende Master-Programme für diejenigen an, die einen schnellen Einstieg in die Praxis bevorzugen und mit dem Bachelor starten, aber später noch einen höheren akademischen Abschluss erwerben wollen.

Bild: Thomas Kölsch / pixelio.de