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Doppelter Abiturjahrgang 2011 – Was muss man wissen?

Es ist ein großes Thema, nicht nur unter den kommenden Schulabgängern zahlreicher deutscher Gymnasien und Gesamtschulen. Bis zum Jahr 2015 werden nach und nach an den deutschen Schulen die doppelten Abiturjahrgänge entlassen. Dies liegt an der Umstellung vom neunjährigen auf das achtjährige Gymnasium (G8).


Was ist G8?
2004 wurde in Baden-Württemberg ein Modellversuch durchgeführt, der die gymnasiale Schulzeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre verkürzte. Dieser Versuch scheint die Bildungspolitiker überzeugt zu haben und daher wird diese Umstellung nun auf alle Bundesländer ausgeweitet. Der Grund für diese Verkürzung liegt in der wohlbekannten PISA-Studie: Deutsche Abiturienten galten im internationalen Vergleich lange Zeit als zu alt, in anderen Ländern machen junge Menschen früher ihre Hochschulreife.

Schon 1997 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog die Umstellung auf G8 gefordert:

„Wie kommt es, dass die leistungsfähigsten Nationen in der Welt es schaffen, ihre Kinder die Schulen mit siebzehn und die Hochschulen mit vierundzwanzig abschließen zu lassen? Es sind – wohlgemerkt gerade diese Länder, die auf dem Weltmarkt der Bildung am attraktivsten sind. Warum soll nicht auch in Deutschland ein Abitur in zwölf Jahren zu machen sein? Für mich persönlich sind die Jahre, die unseren jungen Leuten bisher verlorengehen, gestohlene Lebenszeit.“

Kurzum: Bei der Umstellung geht es darum, junge Menschen schneller durch die Schulzeit zu führen. Darauf baut dann der nächste Teil, die Bologna-Reform mit der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge wiederum auf und sorgt durch die verkürzten, meist dreijährigen, Studiengänge dafür, dass auch die Hochschulzeit schneller beendet wird und junge Menschen früher in das Berufsleben starten können.

Wie wird G8 umgesetzt?
Man kann sich vorstellen, dass es für das deutsche Hochschul- und Ausbildungswesen nicht auszuhalten wäre, wenn auf einmal in einem Jahr doppelt so viele Abiturienten wie sonst auf sie los stürmen würden. Daher geschieht die Umstellung in den Bundesländern, in denen man bisher nach 9 Jahren das Abi erreichte, in folgenden Schritten:

  • 2009 war das Saarland der Vorreiter
  • 2010 folgte Hamburg
  • 2011 wird es das erste Mal richtig eng an den Hochschulen, denn jetzt folgen die großen Bundesländer Bayern und Niedersachsen
  • 2012 strömen wiederum viele Abiturienten aus Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Brandenburg auf den Bildungsmarkt
  • 2013 sind Nordrhein-Westfalen und ein Teil von Hessen an der Reihe
  • 2014 folgt der zweite Teil von Hessen

Kriege ich überhaupt einen Studienplatz?
In diesem Jahr 2011 sind, wie du gesehen hast, die Bundesländer Bayern und Niedersachsen an der Reihe, und durch die Umstellung in diesen beiden bevölkerungsreichen Ländern werden so viele Abiturienten wie noch niemals zuvor an die deutschen Hochschulen drängen.

Die Hochschulen behaupten zwar, sie hätten vorgesorgt, allerdings wird es sicherlich an vielen Stellen sehr eng werden und durch die vielen Studieninteressenten werden auch die NCs für die Studienplatzvergabe weiter steigen. Man kann also hoffen, dass zum Beispiel die 7511 zusätzlichen Studienplätze an Niedersachsens Universitäten und Hochschulen einen Teil des Abiturienten-Andrangs abfangen.

Es gibt aber natürlich auch noch Strategien, wie ich den überfüllten Hörsäälen entkommen kann:

  • Das Studium in einem anderen Bundesland beginnen, in dem die Umstellung bereits abgeschlossen ist oder erst später kommt.
  • Erst einmal einen Auslandsaufenthalt (z.B. Work and Travel) einschieben oder direkt im Ausland studieren.
  • Ein längeres Praktikum (oder vielleicht 2-3 kürzere Praktika) absolvieren und sich so im eigenen Berufswunsch sicherer werden.
  • Ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren.

Und vor allem gilt: Jetzt schon ausführlich informieren, damit man bloß nicht die Bewerbungsfristen der Hochschulen verpasst. Wir wünschen viel Erfolg! Noch viel mehr Informationen findest du unter anderem bei Wikipedia.



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