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Trial studieren, dreifach profitieren

Trial studierenEine bisher wenig bekannte Art einen Berufsabschluss zu erwerben, stellt das triale Studium dar. Seit 2010 existiert diese besondere Weiterbildungsmöglichkeit im Handwerk. Ziel sei es, Führungskräfte für das Handwerk auszubilden und damit auch Abiturienten im Handwerk eine Berufsperspektive zu verschaffen.

In Anlehnung an das duale Studium, in dem je nach Studienmodell ein akademischer Grad mit einem Berufsabschluss oder ein praxisintegrierter akademischer Grad erworben werden kann, werden Absolventen eines trialen Studiums mit drei Abschlüssen ausgezeichnet: einem Gesellenbrief, dem Meisterbrief und dem Bachelor of Arts (Handwerksmanagement).

Gründe für ein triales Studium

Die Idee klingt einleuchtend: das Handwerk leidet seit längerem darunter, dass immer mehr junge Menschen das Abitur machen und einen Hochschulabschluss erwerben wollen. Damit mangelt es den klassischen Handwerksberufen an qualifiziertem Nachwuchs. Besonders wichtig im globalen Wettbewerb sind aber junge Menschen, die Handwerksbetriebe übernehmen und führen können. Bislang waren es angehende Meister, die in kaufmännischer Betriebsführung fit gemacht wurden, eine vertiefte fachliche Qualifikation nachwiesen und dann die Verantwortung für einen Handwerksbetrieb übernahmen. Auch waren sie fähig, selbst Gesellen auszubilden. Doch in vielen Wirtschaftszweigen reicht das heute nicht mehr.

Das Bild des Meisters, der in einem Kleinstunternehmen selbst hinter der Werkbank oder auf der Baustelle stand, gehört der Vergangenheit an. Heute organisiert er Arbeitsabläufe, akquiriert neue Aufträge und stellt die Rechnungen. Die handwerklichen Tätigkeiten überlässt er seinen Mitarbeitern. Absolventen des trialen Studiums sind auf die zukünftigen Herausforderungen bestens vorbereitet und treffen auf einen Arbeitsmarkt, der beste Entfaltungsmöglichkeiten für hochqualifizierte Fachkräfte verspricht.

Ablauf des Studiums

Abiturienten, die nach ihrer Schulzeit einer praktischen Handwerksausbildung nachgehen wollen, ohne sich zukünftige Berufswege verschließen zu wollen, finden in der Initiative der Handwerkskammer Köln eine gute Alternative. In viereinhalb Jahren können die Absolventen die Dreifach-Qualifikation erlangen. Die zweieinhalbjährige Berufsausbildung inkl. Berufsschule und das Studium starten dabei gleichzeitig. Während die Berufausbildung im Handwerksbetrieb und der Berufsschule stattfindet, wird das Studium im E-Learning-Verfahren und am Freitagabend sowie Samstag (aller zwei Wochen) durchgeführt. Nach der Gesellenprüfung stehen Studium und Meisterfortbildung im Fokus der Ausbildung. Ist die Meisterprüfung bestanden, schließt das Studium mit der Erstellung der Bachelor-Arbeit ab.

In 19 Handwerken wird das Studienmodell bislang angeboten:

Augenoptiker/-in Bäcker/-in Elekrotechniker/-in
Feinmechaniker/-in  Fliesenleger/-in Friseur/-in
Informationstechniker/-in  Installateur/-in Heizungsbauer/-in
Karosseriebauer/-in  Kraftfahrzeugtechniker/-in Konditor/-in
Maler und Lackierer/-in Maurer und Betonbauer/-in Metallbauer/-in
Straßenbauer/-in  Tischler/-in Zahntechniker/-in
Zweiradmechaniker/-in

Finanzierung

Nachteilig wirkt sich allerdings die Finanzierungssituation aus. Im Gegensatz zum dualen Studium beteiligt sich der Ausbildungsbetrieb nicht an den Kosten für das Studium. Teilnehmer des Modells erhalten zwar eine Ausbildungsvergütung, diese reicht aber nicht aus, um die Kosten abzudecken. Für das Studium, welches an der Fachhochschule des Mittelstands durchgeführt wird und die Kosten für die Meisterausbildung müssen die Studierenden selber aufkommen. Allerdings können die Teilnehmer bei der KfW einen Studienkredit beantragen.

Bewerbungsverfahren

Wer als (Fach-)Abiturient einen Ausbildungsplatz im Handwerk sicher hat, kann sich bei der Fachhochschule des Mittelstands um einen Studienplatz bewerben. Nachdem die schriftlichen Unterlagen gesichtet wurden, wird der Studieninteressierte zu einem mehrstündigen Auswahlverfahren eingeladen. Neben einem Englischtest und Gruppenaufgaben durchläuft der Bewerber ein Kompetenz-Diagnostik-Verfahren. Zuletzt folgt ein persönliches Gespräch mit einem Vertreter der Hochschule. Die Zulassung oder Absage zum Studium wird von der Hochschule verschickt. Ansprechpartner für interessierte Schulabgänger und Betriebe ist die Handwerkskammer Köln:

Herr Michael Brücken
Fortbildungszentrum Köhlstraße der Handwerkskammer zu Köln
Köhlstr. 8, 50827 KölnTel. 0221/ 2022 -749

Redaktion
Bild: Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de

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