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Bologna – Europäische Hochschullandschaft?

Mit der Erklärung vom 19. Juni 1999 verabredeten sich die Bildungsminister der beteiligten Länder zur Schaffung eines einheitlichen, harmonisierten europäischen Hochschulraumes. Die drei formulierten Ziele waren die Erhöhung der Mobilität aller Studenten und Mitarbeiter im europäischen Hochschulraum, die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Europas und eine verbesserte Erwerbsfähigkeit europäischer Studierender.

Um dies zu erreichen, sollten zweistufige Studiengänge eingeführt werden – nämlich Bachelor und Master – um die internationale Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen zu erreichen. Die Vermittlung internationaler Inhalte sollte vorangetrieben werden, darüber hinaus war auch die Errichtung eines Qualitätssicherungssystems vorgesehen. Siebenundvierzig Staaten, auch über die Europäische Union hinaus, haben sich zu diesen Maßnahmen bekannt.

Nach einem Jahrzehnt noch immer geteilte Meinungen

Dreizehn Jahre sind nunmehr seit dem Beginn des Bologna-Prozesses vergangen, und noch immer sind die Meinungen darüber geteilt, ob es nun eine Erfolgsgeschichte ist, wie Bundesforschungsministerin Annette Schavan meint, oder nicht. Während also das Bundesministerium für Bildung und Forschung die dynamische Entfaltung seit der Umstellung positiv sieht, gibt es einschränkende Einschätzungen seitens Horst Hipplers, der seit Mai dieses Jahres Vorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ist.

Das Bundesministerium verweist darauf, dass bereits fünfundachtzig Prozent aller Hochschulstudiengänge auf Bachelor/Master umgestellt seien, an Fachhochschulen sogar schon siebenundneunzig Prozent. Ferner argumentiert das Ministerium mit einer seit Bologna deutlich gestiegenen Zahl von Studienanfängern sowie einer verbesserten Arbeitsmarkttauglichkeit der Absolventen. Zudem will man festgestellt haben, dass die Beschäftigung kaum unterhalb der erlangten Qualifikation liege und außerdem auch die Quote der Studienabbrecher rückläufig sei. Auch die Regelstudienzeit werde weitgehend eingehalten.

Starke Gegenstimmmen

Der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz Horst Hippler hält dagegen, dass die zunehmende Verschulung des Studiums die persönliche Entwicklung der Absolventen beeinträchtige. Straffe Pläne und Anwesenheitspflicht machten es den Studierenden schwer „über den Tellerrand zu schauen“. Das Ziel einer Erhöhung der Mobilität sieht der Präsident der HRK somit als verfehlt.

Hierin erhält er Unterstützung von Mathias Brodkorb, Bildungsminister in Mecklenburg-Vorpommern. Dieser meint, durch die starke Spezialisierung der Studiengänge werde die Mobilität der Studenten geringer, auch die zeitlichen Vorgaben machten das Studium zu unflexibel. Svenja Schulze, die Wissenschaftsministerin von Nordrhein-Westphalen, betont hingegen, dass Bachelor-Absolventen bei den Unternehmen rege Aufnahme fänden, da andernfalls die Arbeitslosigkeit bei dieser Gruppe wohl kaum unter drei Prozent läge. Führende Unternehmen bestätigen das.

Letztlich bleibt auch Hippler ein Befürworter der Bologna-Reform, so dass es in Zukunft darum gehen wird, eventuell hausgemachte Schwierigkeiten im Studienaufbau, den Modulen und anderen zu überwinden und aus den Vorgaben das Beste, weil Richtige, zu machen. Es reiche nicht, „den schwarzen Peter durch die Reihen zu geben.“