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Frauen und Ingenieure gesucht

Es ist kein Geheimnis, dass Auszubildende und sogenannte Fachkräfte in der heutigen Zeit nicht genug praktische Erfahrung sammeln, bevor es in einen festen Betrieb geht. Daher besteht die deutsche Wirtschaft schon seit langem darauf, dass ausbildende (Fachhoch-)Schulen und Universitäten mehr auf die Praxis achten. Vor kurzem erreichte der Mangel an Fachkräften sogar einen neuen Rekord – ein alarmierendes Zeichen.

Fachkräfte fehlen

In Firmen und Unternehmen Deutschlands herrscht Chaos: Über 210.000 Fachkräfte fehlen. Darunter sind nicht nur Informatiker und Mathematiker vertreten. Auch Naturwissenschaftler und Techniker fehlen an allen Ecken und Enden. Dabei ging man ursprünglich davon aus, dass „lediglich“ 150.000 solcher Kräfte fehlen würden. Die Verbände BDA und BDI zumindest gaben diese Zahlen offiziell an. Innerhalb des technisch-naturwissenschaftlichen Aspektes sind insbesondere Ingenieure absolute Mangelware. In Deutschland blieben allein im April über 92.000 Arbeitsplätze ungenutzt.

Die MINT-Berufe (technisch-naturwissenschaftliche Berufe) gehören zu den am Wenigsten fachgerecht belegten Stellen im deutschen Arbeitsmarkt. Herrschte 2008 noch eine Hochstimmung dieser Berufe, sank diese laut dem Direktor des Institutes der deutschen Wirtschaft (Sitz in Köln) rasant ab. Die um 2005 gemessene Anzahl an freien Arbeitsplätzen hat sich sogar in der Zwischenzeit nahezu verdreifacht. Der Mangel an Fachkräften wird von dem IW genauestens im Blick behalten – jedes halbe Jahr erfolgt ein Gutachten über die Gesamtsituation. Aufgrund dessen kam das Institut zu dem Schluss, dass das gesamte Wachstum der Wirtschaft Deutschlands unter dem Fehlen von Fachkräften leidet, da die betroffenen Unternehmen sich immer mehr häufen. Die Tatsache, dass Deutschland sich erfolgreich darum bemüht, internationale Lösungen von weltweiten Problemen bereitzustellen, ändert nichts an der wirtschaftlichen Situation. Ohne kompetente Fachkräfte, so IW-Direktor Michael Hüther, kann das Geschäftsmodell Deutschlands nicht funktionieren. Da das Land relativ rohstoffarm ist, benötigt es dringend innovative Ansätze von Technikern und speziell Ingenieuren.

Kein Ende der Flaute in Sicht

Das Fehlen von Fachkräften wird aufgrund der Forschungen des Institutes höchstwahrscheinlich in den folgenden Jahren sogar noch mehr ansteigen. Dies liegt zum einen daran, dass die Notwendigkeit dieser Berufsgruppen weiterhin ansteigen wird. Aufgrund technischer Erweiterungen und Neuheiten innerhalb von Elektromobilität – aber auch Energiewende und IT-Ausbau – erhöht sich der Bedarf der Fachkräfte. Zum anderen verliert die Wirtschaft jährlich potenzielle Kräfte aus dem MINT-Bereich. Denn die Bevölkerung Deutschlands wird immer mehr von den älteren Generationen dominiert, sodass immer weniger junge Menschen vorhanden sind, um sich für die MINT-Berufe zu entscheiden. Die Tatsache, dass die Einwohnerzahl der arbeitsfähigen Deutschen dank dieses Phänomens sinkt, erschwert also zusätzlich das Belegen der offenen Arbeitsplätze.

Der Fakt, dass es eigentlich genug Einwanderer gibt, verändert dennoch nichts an dem Problem. Laut dem Institut macht die Menge der zusätzlichen Einwohner keinen Unterschied, da nur sehr wenige von ihnen in die entsprechenden Berufsgruppen einsteigen. Außerdem bringen sie oftmals kulturelle oder sonstige Nachteile mit sich – der verbreitetste Nachteil stellt da wohl die Sprachbarriere dar.

Skeptisch bleibt der Direktor des Institutes der deutschen Wirtschaft auch trotz gelegentlicher Lichtblicke. Obwohl sich gegen 2010 beinahe 100.000 angehende Akademiker erfolgreich am Erststudium für MINT-Berufe beteiligten, sagt er ganz klar, dass dies nach wie vor zu wenig Menschen sind. Auch, wenn dadurch vermutlich noch weitere Absolventen folgen werden, kann es den Mangel an MINT-Fachkräften noch lange nicht ausgleichen. Hinzu kommt, dass zu viele Studenten frühzeitig aufgeben. Laut der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeiterverbände werfen sehr viele Studenten die Flinte ins Korn, sobald ihnen etwas zu schwierig erscheint. Besonders gravierend ist dieses Vorkommen in der Elektrotechnik und im Maschinenbau: Über die Hälfte bricht das Studium ab. Sowohl die IW, als auch die BDA fordern aufgrund dessen, dass die Universitäten allgemein ihr Angebot verbessern. Denn wie an vorbildlichen Fachhochschulen gemessen wurde, konnte die Quote von Abbrechern bzw. Studien-Wechslern um 26 Prozent gesenkt werden. Ein guter Wert, wenn man bedenkt, dass es gegen 2008 noch beinahe 36 Prozent waren.

Die Forderung nach Verbesserungen wird daher immer lauter. Insbesondere die überfüllten Studiengänge müssen abgeschafft werden. Zudem muss dringend mehr Interesse in jungen Frauen geweckt werden, sich auf technische Berufe einzulassen. Viele Firmen suchen vergeblich nach weiblichen Fachkräften. Allerdings lässt sich für die MINT-Berufe hoffen, da die Anzahl weiblicher Fachkräfte allmählich steigt und sich so manche Universität bemüht, den Forderungen gerecht zu werden.