Studium & Studieren Blog

Hochschulen als Gewinner nach der Finanzkrise?

Die bisherigen Anstrengungen reichen bei Weitem nicht aus, um Deutschland erfolgreich aus der Wirtschafts- und Finanzkrise zu führen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Hochschulen zu, die zu den Gewinnern der Krise zählen könnten. Diese These vertreten die Experten, die das CHE Centrum für Hochschulentwicklung um ein Essay zum Thema „Wege aus der Krise. Die Wirtschafts- und Finanzkrise und die Hochschulen“ gebeten hat.
Mit Beiträgen von Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburgischen Weltwirt-schaftsinstituts (HWWI), Klaus Landfried, ehemaliger Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sowie Ulrich Schreiterer, Experte des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung (WZB) eröffnet das CHE eine Serie von Expertenmeinungen, die in den kommenden Tagen jeweils werktäglich auf der Internetseite www.che.de/ZurSache veröffentlicht werden.

Ulrich Schreiterer sieht die Hochschulen bereits jetzt als Krisengewinnerinnen. Zunehmend setze sich die Erkenntnis durch, dass sie bei der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise in Bezug auf innovationsgetriebenes Wachstum und Beschäftigungssicherheit eine Schlüsselrolle spielten. Wie diese Erkenntnis in konkrete Investitionsentscheidungen zugunsten von Lehre und Forschung umgesetzt werden kann, macht der Soziologe am Beispiel Großbritanniens deutlich.

Die Verantwortung der Hochschulen stellt Klaus Landfried in den Mittelpunkt seines Beitrags und fordert sie zur Entwicklung innovativer Konzepte, etwa im E-Learning- oder Weiterbildungsbereich, auf. Mit einem Verweis auf den zunehmenden internationalen Wettbewerb mahnt der emeritierte Politikwissenschaftler, verkrustete Strukturen aufzubrechen und innovationsfeindliche Rahmenbedingungen zu verändern, damit Deutschland international nicht den Anschluss verliert.

Thomas Straubhaar wirbt in seinem Essay als Reaktion auf drastisch zurückgehende Verteilungsspielräume der öffentlichen Hand für ein stärkeres Engagement privater Investoren im Hochschulbereich. In Verbindung mit neuen Anreizen und modernen Finanzierungsmodellen wie PPP-Projekten oder Finanzierungsfonds könne es gelingen, Lehre und Forschung in Deutschland zum attraktiven Anlageobjekt für internationale Investments zu entwickeln.

„Die Reaktionen der Experten legen die Integration unterschiedlicher Krisenreaktionen in eine konsistente Strategie nahe. Dazu zählt die Diversifizierung der Finanzierungsbasis ebenso wie ein klares Bekenntnis der öffentlichen Hand zur Schlüsselrolle der Hochschulen für die Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen. Neben finanziellen Anreizen gilt es, die Hemmnisse für Innovationen an den Hochschulen sowie auch in Wirtschaft und Gesellschaft aufzuspüren und zu beseitigen. Einen Beitrag für die notwendige Reflexion und Konzeptentwicklung will das CHE über die gesammelten Expertenmeinungen leisten,“ erläutert Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE.

In den nächsten Tagen kommen unter der Rubrik „Zur SaCHE“ weitere Experten zu Wort. Leserinnen und Leser dürfen sich auf spannende Ideen, z.B. zur Reform der Ausbildung von Wirtschaftswissenschaftler/innen oder internationalen Krisenreaktionen, freuen.