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Universitäten und Fachhochschulen streiten über Erfolg der Bologna-Reform

Die neueste Kritik des Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Horst Hippler, an die Bologna-Reform scheint bei den Fachhochschulen einen faulen Fleck getroffen zu haben: In bisher noch nicht da gewesener Weise weisen Fachhochverbände die Kritik des hohen Repräsentanten der deutschen Wissenschaft zurück.

Fachhochschulen poltern gegen Chef des Hochschulrektorenkonferenz

Mit seiner Kritik spricht Hippler vielen Studenten aus der Seele, als er es als Fehler bemängelte, Studenten mit Gewalt schneller und ressourcensparender durch das Studium jagen zu wollen. Darunter leide, so Hippler, nicht nur die die Qualität der Ausbildung des akademischen Nachwuchses. Vielmehr werde auch die einmalige Studentenzeit, die Zeit der freien wissenschaftlichen Entfaltung in unredlicher Weise beschneidet. Prof. Dr. Ralph Stengler von der Fachhochschule Darmstadt widerspricht nun in einer Pressemittlung der Kritik. Es käme bei der Beurteilung der Bologna-Reform, die die europaweit uniformen Abschlüsse Bachelor und Master zulasten des deutschen Diploms einführte, in erster Linie auf die fakultätsinterne Organisation der Bachelorstudiengänge an. Und die sei vor allen Dingen Fachhochschulen bestens gelungen, findet Stengler. Als Beispiel bemüht er einen Vergleich der Studienabbrecherquoten zwischen Hochschulen und Universitäten. Während im Vergleichsjahrgang 2006/2007 die universitäre Abbrecherquote in den Ingenieurwissenschaften bei 48 Prozent lag, lag sie bei Fachhochschulen bei nur 30 Prozent.

Die Tücken des Universität-Fachhochschule-Vergleiches

Allerdings sind solche pauschalen Zahlen mit gewisser Vorsicht zu genießen. Denn was Stengler gekonnt nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass Abbrechervergleiche zwischen Universitäten und Fachhochschulen sich allein schon deshalb verbieten, weil Fachhochulen bei Weitem nicht dasselbe Studienangebot anbieten wie Universitäten. Beispielsweise ist es Fachhochschulen nicht erlaubt, Studiengänge wie Medizin und Jura anzubieten, die unter Studenten zu Recht als die wohl schwierigsten Studiengänge verschrien sind. Dass die Abbrecherquote in anspruchsvolleren Studiengängen an Universitäten höher liegt als bei denen der Fachhochschulen, liegt in der Natur der Sache, und sollte bei Vergleichen berücksichtigt werden.

Reform der Reform setzt Willen voraus – neben Geld und Autonomie

Nachvollziehbarer erscheint da das Argument von Prof. Dr. Michael Heine, dem Sprecher des Verbandes von Fachhochschulen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt (HAWtech). In einer Pressemitteilung gibt er zu, dass die Bologna-Reform nicht optimal umgesetzt wurde. Vielmehr bedarf es einiger Korrekturen, die aber einen gesunden Reformwillen von allen Beteiligten verlange. Und bisher zeigten sich insbesondere Universitäten als behäbig, was aber, so Heine, größtenteils mit den fehlenden finanziellen Mitteln zusammenhängt, die den deutschen Universitäten fehlt. Die deutsche Hochschullandschaft benötige mehr Geld, aber auch mehr von der ihr grundgesetzlich zugesicherten Autonomie, um die Bologna-Reform sinnvoll und zur Zufriedenheit der Studenten umsetzen zu können.