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Warnung für das Auslandssemester: VPay-EC-Karten werden nicht weltweit akzeptiert

Ein Auslandssemester ist für Studierende ein einprägendes Lebensereignis in Richtung Selbständigkeit. Doch vor dem Weg ins Ausland will alles gut geplant sein, um keine bösen Überraschungen in der fremden Umgebung zu erleben. Neben einer einladenden Unterbringung sollten Studenten vor allem an die aktuelle Problematik der neuen VPay-EC-Karten denken. Diese Karten wurden in Deutschland schon millionenfach verschickt, aber sie eignen sich nicht, um im außereuropäischen Ausland Geld abzuholen bzw. bargeldlos zu bezahlen.

Wo funktionieren VPay-EC-Karten? Welche Motive gab es für die Einführung?

Bei diesen neuen Karten handelt es sich um ein chipbasiertes Zahlungssystem, das im Vergleich zu älteren Karten keinen Magnetstreifen mehr einsetzt. Laut Betreiber bietet dieses Chipsystem deutlich mehr Sicherheit, da sich in den letzten Jahren die Betrugsfälle an Geldautomaten drastisch erhöht haben. So wurden die Daten vom Magnetstreifen illegalerweise ausgelesen, um auf diesem Wege eine funktionsfähige Kopie der EC Karte zu erstellen. Dieses so genannte ‚Skimming‘ (Ausspähen persönlicher Daten) ist mit der Chiptechnologie der VPay-EC-Karten nicht mehr möglich. Aus diesem Sicherheitsgrund stellen mehr und mehr Banken ihre bisherigen EC-Karten auf die neue Technologie um. Doch diese hat noch ihre Tücken und sie ist nicht einmal flächendeckend in Europa einsetzbar. Der Zugewinn an Sicherheit hat also ggf. im wahrsten Sinne des Wortes seinen Preis, wenn nichtsahnende Studenten versuchen, mit einer solchen Karte in den USA Geld abzuholen.

Wer gibt VPay-Karten aus und wie viele sind bereits im Umlauf?

VPay-EC-Karten sind an dem entsprechenden Logo optisch zu erkennen. Sie ersetzen nach und nach die ehemals weltweit einsetzbaren Maestro-Karten. In Deutschland haben schon zahlreiche Geldinstitute beschlossen, ihre Karten auf die neue Sicherheitstechnologie umzustellen, mittlerweile sind auch nach aktuellen Schätzungen schon weit über 10 Millionen Karten im Umlauf. Das Problem ist jedoch, dass viele Kunden gar nicht wissen, dass diese neue Karte im Ausland (insbesondere außerhalb Europas) nutzlos ist. Die Postbank hat als erste große deutsche Bank ihre Karten auf das neue Prinzip umgestellt. Die Targobank, die Commerzbank und immer mehr Sparkassen werden folgen. Auch der Branchenprimus, die Deutsche Bank, hat ihre Kunden jüngst über die Umstellung auf die neue Technologie per Brief oder auf dem Kontoauszug informiert, allerdings haben nur sehr wenige Kunden von dieser Entwicklung Kenntnis genommen. Viele deutsche Bankkunden, die eine neue Karte erhalten, gehen davon aus, dass sich nichts geändert hat. Diese Annahme kann im Ausland fatale und mitunter peinliche Folgen haben.

Wieso funktionieren sie im Ausland und selbst in einigen Ländern Europas nicht?

Im Grunde genommen funktionieren die neuen Karten wie die Vorgänger. Am Geldautomaten ändert sich vordergründig für Verbrauchen nichts. Das Detail steckt im Geldautomat selbst: Dieser muss so aufgerüstet worden sein, dass er den neuen Chip auf der VPay-Karte lesen kann, ansonsten erhalten irritierte Kunden nur eine Fehlermeldung, aber kein Bargeld. Das grundsätzliche ‚Konstruktionsproblem‘ besteht darin, dass die Umstellung außerhalb Europas nicht vorgesehen ist. Daher haben die neuen Karten einen gravierenden Geburtsfehler, denn im Ausland sind sie nutzlos. Laut offiziellen Angaben wird die neue Technologie an ca. 360.000 Geldautomaten in Europa (Schweiz und Türkei inbegriffen) akzeptiert. Allerdings kann eine flächendeckende Akzeptanz in Europa bei weitem nicht garantiert werden und aufgrund der Softwareumstellung sind weitere technische Pannen nicht auszuschließen. Dies zeigen zahlreiche Rückmeldungen aus den letzten Monaten von erbosten Urlaubern, die in ganz Europa verzweifelt versucht haben, mit der neuen Karte zu zahlen. Offizielle Informationen über die Akzeptanz in verschiedenen Reiseländern findet man auf http://www.vpay.com/de/search.html – genießen sollte man sie jedoch mit Vorsicht.

Fazit, Ausblicke und vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen

Die neue VPay-Karte hat zwei gravierende Geburtsfehler, die Studenten vor ihrer Abreise Richtung Ausland unbedingt bedenken sollten: Zu einem haben die Banken ihre Kunden nur unzureichend informiert, sodass überhaupt keine Klarheit bezüglich der Einschränkungen im Ausland herrscht. Zum anderen ist der Gebrauch dieser Karten im außereuropäischen Ausland schlichtweg nicht möglich, weshalb eine Alternative mitgenommen werden muss. Eine ideale Möglichkeit sind Kreditkarten, zumal sich hier je nach Anbieter und Konditionen die Gebühren für das Abheben von Geld in Grenzen halten. Wer noch keine passende Kreditkarte hat, sollte einmal auf dieser Website vorbeischauen.

Revival von Reiseschecks?

Es ist auch nicht auszuschließen, dass Reisechecks durch die neuen Karten wieder ein Revival erleben. Gemäß offiziellen Verlautbarungen sollte das flächendeckende Abheben und Bezahlen mit der neuen Karte auch in Polen und der Ukraine während der Fußball EM kein Problem darstellen. Die Realität dürfte freilich anders aussehen, zumal immer wieder von Softwareproblemen bei der Umstellung zu hören ist. Selbst ein umgerüsteter Geldautomat ist in diesem Sinne kein Garant für das Abheben von Bargeld. Wer als Student oder Urlauber ins Ausland (vor allem nach Amerika, Südafrika, Australien und Asien) reist, sollte in punkto Geldversorgung auf Nummer sicher gehen und mindestens eine Alternative zur neuen VPay-Karte dabei haben, idealerweise eine weltweit akzeptierte Kreditkarte. In jedem Falle sollten sich Studenten vorher rechtzeitig um eine Zahlungsalternative kümmern und auch bei ihren Kommilitonen das nötige Problembewusstsein wecken.

 

Bilder © EC Karte: Klicker & AUtomat: Dieter Schütz / pixelio.de