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Ist ein duales Studium wirklich anstrengender?

Anstrengung im dualen StudiumDie Vorteile eines dualen Studiums liegen auf der Hand: wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Ausbildung, Erwerb eines akademischen Grades und gegebenenfalls eines Berufsabschlusses sowie eine monatliche Vergütung durch den Praxispartner. Dem gegenüber steht eine stärkere Belastung der Studierenden. Das soll nicht heißen, dass ein reguläres Vollzeitstudium an einer Fachhochschule oder einer Universität nicht auch stressig sein kann. Vor allem in der Prüfungszeit muss man mit einem guten Zeitmanagement parallel mehrere Anforderungen meistern. Doch können die Studierenden nach Beendigung der Klausurphase in die Semesterferien gehen und sich erholen.

Auszubildende des dualen Studiensystems steht diese Erholungsphase nicht zu. Bei ihnen wechseln sich Phasen der theoretischen Bildung an der Universität mit der betrieblichen Bildung im Unternehmen ab. Nur in diesen Praxisphasen können die Studierenden Urlaub nehmen wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Allerdings ist es ratsam den Urlaub auch zu verwenden, um sich auf Prüfungsphasen vorzubereiten. Durch diese Einschränkungen hat sich der Eindruck verstärkt, dass ein duales Studium im Allgemeinen als größere physische und psychische Belastung wahrgenommen wird.
Eine Studie der Dualen Hoschschule Baden-Württemberg Stuttgart ging deshalb der Frage nach, wie die Studierenden ihre psychische Gesundheit einschätzen. Ziel der Untersuchung durch die Arbeitsgruppe „Psychische Gesundheit“ der Fakultät Sozialwesen sei es gewesen, die Belastungen der Studierenden zu erfassen und zu ergründen, welche Gegenmaßnahmen die Universität ergreifen könne, um die Studentenschaft besser unterstützen zu können.

Zur Teilnahme waren 7100 Studenten der Fakultäten Wirtschaft, Technik und Sozialwesen eingeladen. Die Befragung fand im Sommer 2012 statt und wurde durch die Arbeitsgruppe selbst durchgeführt. Die Beteiligungsquote war mit rund 28 Prozent recht hoch.

Erste Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Belastung der Studenten im mittleren Bereich liege. Allerdings gaben recht viele Studenten an, dass sie ihre eigene Situation als psychisch belastend einschätzen, aber gute Strategien entwickelt hätten, damit umzugehen. Als Ursache für die empfundene Belastung nannten die Befragten Faktoren wie familiäre und finanzielle Sorgen. Im Studium seien es vor allem Zeitmangel, Leistungsdruck und Prüfungsstress, die eine erhöhte Belastungssituation hervorrufen würden.

Die Arbeitsgruppe konnte Faktoren ausmachen, die sich in beträchtlichen Maße auf die persönlichen Empfindungen der Studierenden auswirken. Unter anderem sei es ein ausgeprägter Optimismus, ein hohes Selbstwertgefühl und die Erwartung, dass man erfolgreich sei, die dazu beitragen würden, dass Studierende die Belastungen als wenig belastend empfinden würden. Im Gegensatz dazu erfahren pessimistische Studenten mit geringem Selbstwertgefühl und Versagensangst die Situation während des Studium als sehr belastend. Die Arbeitsgruppe schließt daraus, dass adäquate Strategien, wie gezielte ausgleichende Aktivitäten im Sport oder Freizeit, soziale Kontakte und positives Denken den Studenten über Belastungssituationen hinweghelfen würden.

Aus der Umfrage geht aber auch hervor, dass die Studierenden sich mit dem angestrebten Beruf sehr stark identifizieren würden. Des Weiteren hebt ein großer Teil der Befragten hervor, dass sie ihre persönliche Passung zum Studium sehr hoch einschätzen. Das duale Studium trage sehr stark zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Im Allgemeinen gaben die Studierenden an, dass die Atmosphäre auf dem Campus und die Angebote der Hochschule sehr gut seien. Insgesamt zeigt sich bei den Befragten eine große Zufriedenheit mit dem Studium, die sich auch durch eine hohe Lernmotivation äußert.

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an:

Prof. Dr. Kathrin Ripper
Psychologie der Sozialen Arbeit

DHBW Stuttgart
Herdweg 31
70174 Stuttgart

Telefon + 49 . 711 . 18 49 – 759
Telefax + 49 . 711 . 18 49 – 735

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