Studium & Studieren Blog

KW 13 Wochenrückblick – Bildung

Welche Bildungs-News haben diese Woche für Schlagzeilen gesorgt? Neues gibt’s vom acht- bzw. neunjährigen Abitur. Wir berichten von Praktikanten und ihren Problemen bei der Durchsetzung einer gerechten Bezahlung. Erinnern uns: Ist das Studium wirklich die beste Zeit des Lebens, wie es immer wieder behauptet wird? Wundern uns über die Bilanz einer Studentin, die zwei Bachelortitel erworben hat. Finden die Diskussion, ob es sinnvoll sei, jährlich den Anteil an Studienanfängern zu erhöhen, längst überfällig. Reagieren mit Unverständnis auf die grassierenden Voruteile, mit denen türkische Lehrstellenbewerber zu kämpfen haben. Werfen einen Blick auf eine Studie zum dualen Studium. Merkwürdig aber lesenswert ist der Erlass des Niedersächsischen Kultusministers aus dem Jahr 1986.

G8/G9 und kein Ende

In der vergangenen Woche hat Niedersachsens Kultusministerin bekannt gegeben, den Gymnasiasten ab 2015 wieder ein Schuljahr mehr für das Ablegen des Abiturs einzuräumen. In vielen Bundesländern lassen sich nun ähnliche Töne vernehmen. In NRW lud Sylvia Löhrmann Vertreter aus Politik, Schule, Wissenschaft und Wirtschaft zum Meinungsaustausch ein. Einen Politikwechsel wird es aber in NRW wohl nicht geben. Die Möglichkeit, das Abitur in neun Jahren abzulegen ist hier durch Gesamtschulen, Sekundarschulen und Modell-Gymnasien viel größer. In Hamburg ließ die CDU nach Gründung einer Volks-Initiative verlautbaren, dass sie ein Zurück zu G9 am Gymnasium in Betracht ziehe. Allerdings gehörte die Partei bei der Einführung des „verkürzten“ Abis zu den treibenden Kräften. In Bayern werden Landesregierung und Kultusministerium von einem Reformvorschlag des Philologenverbandes unter Druck gesetzt und räumen Gesprächsbereitschaft ein – Starre Lernzeiten seien überholt.

Unbezahlte Praktika – wie stehen eigentlich die Abgeordneten der SPD dazu?

< Tim Schlüter studiert Politik. Im Rahmen seines Masterstudiums bewarb er sich für ein Pflichtpraktikum im Abgeordnetenbüro von Brigitte Zypries. Der Student erhielt wenige Tage nach seiner Bewerbung die Zusage für die gerade bei Akademikern beliebte Praktikastelle. Schwierig wurde es erst, als Tim Schlüter nach einer Vergütung des Praktikums fragte. Denn wie ein Mitarbeiter des Büros mitteilte, gebe es im Normalfall kein Entgelt für Praktikanten. Irritiert von dieser Aussage, konterte der Student: Die SPD habe in letzter Zeit immer wieder gefordert, die Ausbeutung von Praktikanten zu beenden und eine Mindestvergütung von 350 Euro politisch durchsetzen zu wollen. Wie könne es sein, dass Abgeordnete die Zielvorgaben der eigenen Partei missachten? Diesmal reagierte Brigitte Zypries persönlich und zog die Zusage für das Praktikum zurück. Tim hatte Glück im Unglück. Seine Bewerbung für ein Praktikum im Familienministerium war ebenso erfolgreich. Im Übrigen wird seine Arbeit dort mit 300 Euro pro Monat vergütet.

Gerichtsurteil-Praktikum-LohnEin aufsehenerregendes Gerichtsurteil fällte das Arbeitsgericht Bochum in einem ähnlich gelagerten Fall. Eine 20-Jährige absolvierte ein Praktikum in einem Rewe-Markt. Allerdings hat sie dort von Oktober 2012 bis Juli 2013 1728 Arbeitsstunden geleistet ohne eine Bezahlung zu erhalten. Das Gericht stufte den Arbeitsvertrag als sittenwidrig ein und sprach der klageführenden Partei eine Vergütung von 17.281,50 Euro zu. Der Betreiber des Marktes legt wohl Berufung ein. Der Rewe-Konzern, der genossenschaftlich organisiert ist und deshalb von eigenständig handelnden Kaufleuten getragen wird, distanziert sich hingegen von der Personalpolitik des Einzelhändlers.

Studium, die schönste Zeit des Lebens?

Im fudder aus Freiburg gab es kürzlich eine Auseinandersetzung über Erwartungen, Mythen und Realitäten des Studiums zu lesen. Autorin Heng rechnet ab mit Partys, die nicht einmal im betrunkenen Zustand Spaß machen; mit Kommilitonen, die arrogant, rassistisch oder merkwürdig sind bzw. einfach nur eine beschränkte Weltsicht haben. Die Gegenrede verfasste fudder-Autorin Jule.

Von unterschiedlichen Herausforderungen während des Studiums, überforderten Studenten und dem allgemeinen Drang an die Hochschulen

Marisa Kurz ist 25, hat zwei Bachelortitel (Chemie und Philosophie) erworben und befindet sich jetzt in den letzten Zügen ihres Masterstudiums. Sie vergleicht die Anforderungen in den jeweiligen Studiengängen und kommt zu dem Ergebnis, dass in einem naturwissenschaftlichen Studium mit Notendruck, Stress und übervollen Studienplänen zu stark gesiebt wird, während in einem geisteswissenschaftlichen Studium Faulpelze und „Kopfarbeiter“ durchgewunken werden. Die Kritik an der Sache mag ja berechtigt sein, aber in der Art und Weise der Argumentation wird so nur wieder eine künstliche Trennlinie zwischen den Wissenschaften aufgebaut, die es, so auch Marisa Kurz in ihrem Fazit, eben abzubauen gelte.

Dass es durchaus angebracht sei, darüber nachzudenken, welche Folgen es hat, tausende Schülerinnen und Schüler zum Abitur und an die Hochschulen zu treiben, zeigt auch ein Beitrag von Hannah Bethke. Als Dozentin der Politischen Theorie und Ideengeschichte korrigiert sie einmal im Semester Hausarbeiten. Eklatant findet die Autorin dabei den Mangel an Sprachgefühl sowie grammatischen und orthografischen Kenntnissen. Ihr Fazit: An deutschen Schulen und Hochschulen hat eine Niveaunivellierung stattgefunden, die allen, ob sie nun dafür geeignet sind oder eben nicht, alle Bildungsmöglichkeiten offen halten soll.

Auch im Streitfeld BAföG gibt es eine Wortmeldung. Ted Thurner, Geschäftsführer des Studentenwerkes Osnabrück fordert eine Erhöhung der Ausbildungsförderung aus zwei Gründen: Zum einen soll der Anteil der Studieren im Allgemeinen erhöht werden, zum Anderen sollen es Studierenden aus sozial benachteiligten Familien sein, die durch höhere Bildung einer finanziell abgesicherten Zukunft entgegengehen sollen. Gegen zweites Argument ist wenig auszusetzen. Nur das erstere sollte überdacht werden. Seit Jahren wächst der Anteil der Abiturienten und potenziellen Studienanfänger eines Jahrganges. Stellt sich die Frage, wer in einer Welt voller Akademiker deren Ideen mit Sachverstand, handwerklichen Geschick oder Beratungskompetenzen ausführen soll.

Benachteiligung türkischer Lehrstellenbewerber

Nicht zuletzt die OECD-Untersuchungen zeigen, dass in der Verteilung von Bildungschancen einiges im Argen liegt. Am Mittwoch stellte der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) eine Studie vor, die belegt, dass Lehrstellenbewerber mit einem türkisch klingenden Namen trotz gleicher schulischer Leistungen den deutschen Meiers, Schulzes oder Müllers unterlegen sind.
SVR-FB_2014_Diskriminierung_Durchschnittliche-Anzahl-der-Bewerbungen

Erwartungen und tatsächliche Erfahrungen von dual Studierenden

Das Portal Wegweiser-duales-Studium.de fragte knapp 300 dual Studierende nach ihren Erwartungen und tatsächlichen Erfahrungen. Ergebnis: Während der Wunsch nach ausreichender Bezahlung und Übernahme der anfallenden Kosten durch das Unternehmen oft unerfüllt bleibt, ergeben sich für Absolventen nach dem dualen Studium gute Karrierechancen. Der Hauptmotivationsgrund „Verknüpfung und Anwendung von Theorie und Praxis“ findet hingegen bei rund 40 Prozent der Befragten tatsächlich Erfüllung.
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Studie Motivationsfaktoren

Zu guter Letzt: Jan-Martin Klinge äußert seine Gedanken zu einem Erlass des Niedersächsischen Kultusministers von 1986 – Thema: Pädagogisches Verhalten in FKK-Bereichen. Verwirrend!

Fotos: Jurazeug von Tony Hegewald / pixelio.de, SVR